Bilder im Büro: Seefahrer und Eingeborene

9 Bilder, 150x125, Acryl/Leinwand, Reinhard Frotscher
Die neun Bilder der Werkgruppe entstanden 1993 in Asunción, Paraguay. Zusammen mit einer Gruppe von Holzsteelen wurden sie zuerst in der städtischen Kunsthalle von Asunción und danach in einer Einzelausstellung in der Recoleta, dem städtischen Kulturzentrum von Buenes Aires, Agentinien, einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Heute befinden sich 6 der Bilder in unseren Büroräumen.

Inhaltlich und formal verbinden die Arbeiten Elemente und Farben, die von den Seefahrern und Sklavenhändlern aus Europa und Afrika nach Amerika mitgebracht wurden und jene, die sie in der Neuen Welt vorfanden. Leitmotiv sind dabei die roten Erden des amerikanischen Kontinents, Formensprache der indianischen Ureinwohner sowie Runenzeichen der frühen Seefahrer, die sie in mehreren Ländern als Felsritzungen hinterlassen haben. Die Titel einiger Bilder sind Namen germanischer Runen.

Die Texte, obwohl sie die Titel der Bilder tragen, sind nur bedingt in Zusammenhang mit einer Erklärung für deren Inhalt zu bringen. Sie bemühen sich, einige Einblicke in die Gedankenwelt zu geben, in deren Umfeld und aus der heraus die Bilder entstanden sind. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Gegenwart eines Weltkreises kann auch in der Malerei geschehen, indem man Koordinaten der Wahrnehmung und eigentlich fremde Symbole in räumlicher, visueller und polischer Konfrontation sieht und dabei neue Wahrheiten erlebt.

Mehr Bilder finden Sie unter reinhard-frotscher-kunstwerk.de


EDDA


Semitische Seefahrer, Phönizier, Carthager, Griechen, Römer und Chinesen besuchten und besiedelten Amerika lange bevor Polynesier, Wikinger und Spanier den Fuß auf amerikanischen Boden setzten. Viele Forscher und Autoren präsentieren Ergebnisse, die den Vertuschungsversuchen christlicher Geschichtsschreiber wertvolle Argumente entgegensetzen. So ist z.B die Baumwolle, die die Inka verwendeten, genetisch analog zur ägyptischen. In Brasilien, Paraguay, Kolumbien und USA finden sich Inschriften semitischen, phönizischen und germanischen Ursprungs. Phönizische Symbole finden Entsprechung bei den Symbolen der Maya. In Amerika gefundene Navegationsinstrumente entsprechen denen der Römer und Griechen. Monolitische Anlagen lassen nordischen Ursprung erahnen. Man kann davon ausgehen, dass semitische Stämme nach ihrer Niederlage 132 n.Chr. nach Amerika flohen, und die Wikinger sollen bis Feuerland gekommen sein. Die Seefahrt, das Boot, war für alle Zeiten das Vehikel für den nachhaltigen Kulturaustausch und damit auch für die Entwicklung von Wissenschaft und Philosophie mit einer ständigen Überlagerung und Verschmelzung von Form und Farben, Geschmack und Gerüchen, Musik und Gefühlen.

Für alle diese Völker war Seefahrt ein Hauptbestandteil ihres Lebens und ihrer Kultur.

Die Beschreibung der Bestattungszeremonie in der EDDA ist ein eindrucksvolles Zeugnis für diese Haltung:

"Dann schoben die Riesen das Schiff in die Fluten und ließen es die hohe See gewinnen. Immer mächtiger griff in dem wilden Fahrtwind die Flamme um sich, und einer riesigen Opferfackel gleich jagte Baldurs Schiff zum letzten Male über das Meer. Als die Springflut gierig nach den brennenden Balken griff und ihre Glut in die Tiefe zog, war es den am Gestade harrenden Asen, als versinke die ganze Welt ringsum in Dämmerung."


IPIR


Etwa seit dem Jahr 1000 haben die Wikinger die amerikanische Küste bis Feuerland befahren, den südamerikanischen Kontinent kolonisiert und ein mächtiges Imperium errichtet, das von den Inka zerstört wurde. Man weiss, dass während der Anfänge des Inka-Imperiums von Manko Kapac und seinen Nachfolgern die Geschichte bewusst gefälscht wurde, um nach der Niederlage der Wikinger im Jahre 1220 deren Existenz aus dem Gedächtnis der Indianer zu löschen. Selbst die Schrift wurde verboten. Der Mestize Atahualpa hatte kein Interesse an dem Erbe der Wikinger und ließ, noch bevor Pizarro kam, die meisten von ihnen umbringen. Die Wikinger der Küste und des Urwalds wurden von feindlichen Indianerstämmen ausgelöscht oder assimiliert. Überlieferungen sind unterdrückt worden und verlorengegangen. Zeugnis von der mächtigen Präsenz der Wikinger geben Runendarstellung an vielen Orten Südamerikas.

Reste einer Festung befinden sich auf dem Cerro Corá im Herzen Paraguays. Enorme Fundamente, ein heiliger Hain und überall unzählige grossartige Runendarstellungen. In der Region erzählt man die Legende:

"In jenen Zeiten herrschte hier ein mächtiger und weiser König, der sich Ipir nannte. Er war von weisser Haut und trug einen langen blonden Bart. Mit Männern seiner Rasse und indianischen Kriegern, die ihm treu ergeben waren, lebte er in einem grossen Dorf auf dem Gipfel eines Berges. Er verfügte über furchterregende Waffen und besaß Reichtümer an Gold und Silber. Eines Tages wurde er jedoch von wilden Stämmen angegriffen und verschwand für immer."

1492 wurde Amerika offiziell entdeckt und dann erobert. Aber da waren die Wikinger schon nicht mehr da. Die Spanier heirateten die Töchter der noch immer weißen Inka-Aristokraten und machten ihre Brüder zu Sklaven.


OZ


Die Rune OZ steht für Austausch. Gold und Reichtümer im Austausch für das Heil?

Die Schatzkammern König Salomons (Solimon) bargen unermessliche Goldschätze. Phönizische Seefahrer fuhren über die Kanarischen Inseln nach Amerika, den Amazonas, den die Eingeborenen noch heute Solimones nennen, und den Orinoko hinauf, bis an den Fuß der Anden, Peru. Sie brachten dem König das Gold und Silber, Affen und Truthähne, vor sehr langer Zeit.

In einer abgelegenen Bucht in der Karibik liegt das wohl älteste Wrack, das je in der Neuen Welt gefunden wurde. Es könnte dies die Karavelle "Vizcaina" von Kolumbus 4. Reise gewesen sein. Die Karibik gilt als einer der größten Schiffsfriedhöfe der Welt. Man schätzt, daß hier etwa 400 Frachtsegler aus der Zeit, in der die Mayas niedergemacht und ihre Schätze nach Europa geschafft wurden, auf Grund sanken. Allein fast die Hälfte der spanischen Armada und große Teile der spanischen Silberflotte verschwanden spurlos. Zwischen der Karibik und Europa liegen tatsächlich Milliardenschätze auf dem Meeresgrund. Und dies ist nur ein kleiner Teil der Beute. In einem Gespräch zwischen Carlos V und dem Eroberer Cortés fragt der König:

„Und wer sagt mir, dass es Spanien zum Heile gereicht, wenn Ihr ihm neue Welten unterjocht? Wer sagt mir, dass die Goldschiffe von den neuspanischen Küsten Segen für das Mutterland bringen? Wer sagt mir, dass es von Vorteil ist, dass die Blüte des Landes jenseits des Meeres ihr Glück versucht?

Cortés: Sire, noch niemand hat daran gezweifelt. Wir bringen Spanien den Reichtum und der Neuen Welt das Christentum.

Carlos V: Und den Mord. Und die Unterdrückung“


TIR


TIR steht für Speer und im übertragenen Sinne für Beharrlichkeit, Ziestrebigkeit, Mut, Herausforderungen und Krieg.

Seit seiner Loslösung von Spanien, 1811, ist Paraguay das "andere" Land in Lateinamerika. Die spanische Oligarchie war kurz nach der Eroberung ausgeschaltet worden. Seit seinen Anfängen eine Republik mit selbsternannten Diktadoren, um 1840 das fortschrittlichste Land in Südamerika, hohe Produktivität der Landwirtschaft, keine Bürokratie, Schulen für alle. Und, vorallem, keine Schulden bei den Engländern, wie die vollständig kolonisierten Nachbarländer Brasilien, Argentinien und Uruguay. Ein Land bereit für die Entwicklung in Wohlstand und Fortschritt. Die Bevölkerung ohne altspanisches Moraltrauma, fast ausschliesslich Mestizen, mit Guarani als wichtigster Sprache. Diese kleine, wohlhabende und autonome Republik, mit der ersten Eisenbahn des Kontinents, erzeugt Neid bei den Nachbarn und die Habgier der Kolonialmacht England. So nimmt es nicht Wunder, dass der von den Engländern geschürte und von der Dreierallianz des Kaiserreichs Brasilen, Argentinien und im Schlepptau Urugay geführte Krieg zwischen 1864 und 1870 das Land ins totale Chaos stürzte und total zerstörte. Paraguay verlor nicht nur etwa die Hälfte seines Teritoriums sondern auch 76% seiner Bevölkerung: 99,5 % der Männer und 55% der Frauen. Das letzte Aufgebot bestand aus einem 3.500 - köpfigen Kinderbatallion, zwischen 6 und 8 Jahren alt und mit aufgemalten Bärten, gegen 20.000 brasilianische Soldaten. Der paraguayische Diktador Solano Lopez wirft sich gegen die anrückenden Soldaten mit dem Ausruf: Ich sterbe mit meinem Vaterland. Der Nationalheld war geboren und der Genozit war perfekt. Aber die verbleibenden Frauen haben das Land mit unglaublicher Beharlichkeit und Kreativität wieder aufgebaut und bevölkert, um es dann an Diktadoren und skupelose Politiker zu verlieren.


DAEG


Die Rune bedeutet Tag und symbolisiert den Übergang zu Licht und Klarheit, Ausgleich zwischen Tag und Nacht, klare Sicht, Wachsamkeit, Hoffnung, Vertrauen und Brücke.

Die Christliche Seefahrt, obwohl sie die Grundlage für die globale Erschliessung und die Klärung der geografischen Zusammenhänge bildete, hat auch mit mächtigen Mitteln der Verdunkelung gearbeitet. Dazu gehörte die von den Wissenden institutionalisierte Geheimgeographie vor Kolumbus.

1489 erscheint, aber eben nicht für die Öffentlichkeit, ein revolutionäres Bild des fraglichen Kontinents, das der tatsächlichen Situation erstaunlich nahe kommt, selbst Feuerland einschliesst und die Hauptwasserläufe und Gebirgszüge darstellt. Und dann gab es noch eine ungewöhnlich genaue Karte von ganz Südamerika, einschliesslich der Ost-West-Durchfahrt. Ihre Qualität setzt eine vollständige Aufnahme der Küsten durch Seefartkundige voraus. Die Araber und Chinesen hatten zwar Karten von ihren frühen Reisen, aber der amerikanische Kontinet erscheint nur vage oder falsch. Woher stammt also diese Karte? Die Wikinger hatten während 500 Jahren ein gewaltiges Imperium errichtet, das von den Anden bis zum Urwald reichte, mit einem Netz von Handelswegen zu Land und zu Wasser. Sie waren die Einzigen, die die Kenntnis auch des Landesinneren hatten und in der Lage waren, diese Karte zu erstellen und sie brachten sie 1250 nach Dieppe im heutigen Nordfrankreich. Die Fürsten und Reeder der Zeit belegten alles, was Seerouten und Zielländer betraf, mit strengster Geheimhaltung. Die Normannen befuhren seit dieser Zeit die Küsten Südamerikas und brachten Produkte der Küstenregionen nach Europa. Trotz der strikten Geheimhaltung sickerte etwas durch und die Portugiesen besorgten sich die Karte von Dieppe, die dann erst Kolumbus und danach Magellan aus den königlichen Schatzkammern gestohlen haben.


EL


Die Bezeichnung Indianer leitet sich vom Spanischen los indios ab. LOS SIN DIOS bedeutet die Gottlosen also Heiden. Jedoch besasen alle amerikanischen Kulturen, genau wie die des vorderen Orients, eine übergreifende Gottesvorstellung von einem Schöpfer und eine überlieferte Genesis.

Das POPOL VUH, genannt das Buch des Wortes, ist die Schöpfungsgeschichte der Maya-K`iche, der Urbevölkerung Guatemalas: Der Architekt, Schöpfer und Former erschafft den Himmel und die Erde, Pflanzen und Tiere, nur mit dem Wort. Als dies nun alles abgeschlossen war, war niemand da, der ihn anbetete und verehrte.

So schuf er den Menschen aus Lehm. Aber der taugte nichts, war schwach und gebeugt, schaute unermüdlich nach unten. Reden konnte er wohl, aber nicht denken, und löste sich im Wasser auf. Auch war er unfruchtbar.

Der nächste Versuch waren Menschen aus Holz. Sie konnten denken und sich fortplanzen, Mann und Frau aus unterschiedlichem Holz. Sie waren mager mit baumelnden Beinen, kein Blut in den Adern, trockene Wangen und wenn sie mehr krochen als liefen, klapperten ihre Muskeln. Aber sie verehrten ihren Schöpfer nicht. So wurden sie zerstört.

Der Morgen graute schon, da wurden die Menschen aus Maismehl und Wasser geschaffen, 4 Männer, die Herren des Feuers, der Erde, der Luft und des Wassers, genannt Jaguar mit süßem Lächen, Jaguar der Morgenröte, Jaguar Maj Ukutaj und Jaguar des Mondes. Sie waren weitblickend und intelligent. Dann wurden die vier Frauen geboren, sie waren sehr schön und hiessen Hoher Wasserfall, Erwähltes Wasser, Wassercolibri und Wasser des Ara. Sie pflanzten sich fort und hatten noble Nachkommen. Jeder von ihnen gründete einen Ort und gab ihm seinen Namen.